RosaRote Seiten

Editorial

Ist Zürich eine Frauenstadt? Wo haben sich Frauen früher versammelt? Wo treffen sie sich heute? Wie bewegen sie sich durch Zürich? Welche Themen haben sie bewegt? Wo können wir Antworten auf diese Fragen finden? Wir, die Herausgeberinnen der ROSAROTEN SEITEN, sind nicht die ersten Frauen, die nach Frauenräumen suchen. Bereits in den Jahren 1989 und 1994 sind zwei Verzeichnisse publiziert worden, die unter dem Titel Frauenstadt Zürich Auskunft über Frauenprojekte, -gruppen und -initiativen geben. Seither hat sich viel getan. Dies belegen die über 130 Frauenräume, die hier versammelt sind.

Die ROSAROTEN SEITEN sind aus dem Bedürfnis heraus entstanden, die grosse Vielfalt an Frauenräumen in der Stadt Zürich sichtbar zu machen und aktuelle feministische Aktivitäten zu vernetzen. Gleichzeitig dokumentiert das Verzeichnis ein Stück Frauengeschichte: Die Einträge zu den historischen Frauenräumen zeugen von politisch turbulenten Zeiten. Oft werden die Geschichten der Frauen vergessen. Mit den ROSAROTEN SEITEN wollen wir diese nicht nur erinnern, sondern zeigen, dass die Frauengeschichte nicht abgeschlossen ist, sondern hier und heute fortgesetzt wird.
Das Verzeichnis der ROSAROTEN SEITEN hat Versuchscharakter. Wir wollten wissen: Was passiert, wenn wir Frauen dazu aufrufen, ihr Wissen über Frauenräume in Zürich mit uns zu teilen? Viele Frauen sind unserem Ruf gefolgt und haben uns von ihren Aktivitäten geschrieben und erzählt. Die Einträge zu historischen Frauenräumen sind in Gesprächen mit Frauen entstanden, die seit den 1960er-Jahren feministisch aktiv sind. Sie haben ihr Wissen und ihre Erinnerungen in spannenden Gesprächen an uns weitergegeben. An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an unsere geistigen Mütter und Grossmütter der Frauenbewegung! Mehr zur Entstehungsgeschichte der ROSAROTEN SEITEN findet ihr im Beitrag Wie die RosaRoten Seiten entstanden am Ende des Verzeichnisses.

Die Einträge in den ROSAROTEN SEITEN wurden von den Redakteurinnen, von VertreterInnen der Räume und von Dritten verfasst. Die Heterogenität der Einträge ist Ausdruck der Vielfalt des Zürcher Frauenschaffens. Wir haben diese in fünf Kategorien eingeteilt: verändern & bewegen, erzählen & erinnern, schützen & unterstützen, spielen & schwitzen, vernetzen & verweilen. Innerhalb der Kategorien selbst sind die Einträge alphabethisch geordnet.

Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit des Verzeichnisses. Vor allem wollen wir Brücken schlagen zwischen verschiedenen Generationen der Frauenbewegung und Menschen, die sich in feministischen und queer-feministischen Projekten oder in Sachen Gleichstellung engagieren (wollen). Vielleicht bekommen dereinst wir die Möglichkeit, die Lücken in den ROSAROTEN SEITEN zu füllen und feministisches Wirken über die Stadtgrenzen hinaus anzuregen.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Spaziergang durch die Frauenstadt Zürich!


Die Redaktion
Andrea, Carolyn, Dolores Zoe, Judith, Laura, Léa, Senata und Susanne